Arbeit 4.0 – Digi­ta­ler Kul­tur­wan­del im EVU mit Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on

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Ener­gie­ver­sor­ger möch­ten die Digi­ta­li­sie­rung für sich nut­zen, um ihr Kern­ge­schäft zu opti­mie­ren und neue (digi­ta­le) Geschäfts­mo­del­le auf­zu­set­zen. Dazu bedarf es eines hohen Grads an Inno­va­ti­on und „digi­ta­lem Den­ken“, sowie einer ver­stärk­ten Zusam­men­ar­beit mit exter­nen Ide­en­ge­bern und Part­nern. Digi­ta­li­sie­rung, Inno­va­ti­on und Part­ne­ring kann aber nur funk­tio­nie­ren, wenn pas­sen­de Rah­men­be­din­gun­gen gesetzt wer­den und die ent­spre­chen­de Kul­tur ver­an­kert wird. Die zen­tra­le Fra­ge lau­tet also: Wie schafft man einen Kul­tur­wan­del in einem fast 100 Jah­re alten „Ver­sor­ger“?

Ein in ande­ren Bran­chen bereits erfolg­reich umge­setz­ter Ansatz für Kul­tur­wan­del und Ver­än­de­rungs­wil­len ist es, beim Arbeits­um­feld zu begin­nen und die­ses den Bege­ben­hei­ten der digi­ta­len Welt anzu­pas­sen. Dies wird unter dem Begriff Arbei­ten 4.0 oder New Work zusam­men­ge­fasst. Kon­kre­te Ele­men­te sind unter ande­rem neue Raum­kon­zep­te, die Abschaf­fung von Hier­ar­chi­en, Gesund­heits­an­ge­bo­te, die Aus­stat­tung mit mobi­len End­ge­rä­ten oder die digi­ta­le Ver­net­zung von Arbeits­grup­pen (Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on). Letz­te­res soll im vor­lie­gen­den Arti­kel gezielt her­aus­ge­grif­fen und ana­ly­siert wer­den.

Ziel von Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on ist das Auf­lö­sen tech­ni­scher Hin­der­nis­se zur orga­ni­sa­ti­ons­über­grei­fen­den sowie orts­un­ab­hän­gi­gen Kom­mu­ni­ka­ti­on und Zusam­men­ar­beit. Kon­kret wird eine Platt­form geschaf­fen, wel­che Know-how-Flüs­se im Unter­neh­men und mit Drit­ten mög­lich und das kom­bi­nier­te Wis­sen ver­wert­bar macht. Eine sol­che Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form wird so stra­te­gi­sches Ele­ment der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on.

Die Bedürf­nis­se der Mit­ar­bei­ter in Zei­ten von Whats­app und Co.

Die Nut­zung sozia­ler Netz­wer­ke wie  Face­book und Whats­app sowie der pri­va­te Ein­satz von Cloud-Diens­ten (zum Bei­spiel Drop­box) ist heu­te fest in den (pri­va­ten) All­tag der Mit­ar­bei­ter inte­griert. Die­se Diens­te erlau­ben neben einer ein­fa­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kol­la­bo­ra­ti­on auch eine Ver­füg­bar­keit per­so­na­li­sier­ter Infor­ma­tio­nen. Es ist zur Anfor­de­rung der Mit­ar­bei­ter gewor­den, dies auch in ihrem Arbeits­um­feld wie­der­zu­fin­den. Die kon­kre­ten Bedürf­nis­se an ein digi­ta­les Arbeits­um­feld in einem EVU sind viel­schich­tig und einer kon­stan­ten Ver­än­de­rung unter­wor­fen. Außer­dem bestehen  Unter­schie­de je nach orga­ni­sa­to­ri­scher und hier­ar­chi­scher Anglie­de­rung, und auch im Zeit­ver­lauf wer­den sich auf­grund des dyna­mi­schen Markt­um­felds und des Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­ses  Ände­run­gen erge­ben. Um ein gutes Bild über die Bedürf­nis­la­ge heu­te und mor­gen zu geben, wer­den im Fol­gen­den zwei User Sto­ries dar­ge­stellt, wel­che den Ein­satz der Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form bei ver­schie­de­nen Akteu­ren in einem Ener­gie­ver­sor­ger beschrei­ben und ihre Aus­wir­kung auf die Zie­le Trans­for­ma­ti­on und Inno­va­ti­on dar­stellt.

Use Case 1: Wir beglei­ten die Geschäfts­füh­re­rin eines Stadt­werks bei ihrem Arbeits­tag

Die Geschäfts­füh­re­rin eines Ener­gie­ver­sor­gers mel­det sich am Diens­tag­mor­gen an ihrem Arbeits­platz an. In einem kom­pak­ten Cock­pit  wer­den indi­vi­du­el­le Infor­ma­tio­nen zum Ener­gie­markt, dem Zustand der Net­ze und den wesent­li­chen KPIs der ein­zel­nen Berei­che dar­ge­stellt. Sie ruft eine Über­sicht der heu­ti­gen inter­nen Ver­an­stal­tun­gen auf und ent­deckt die offe­ne Ver­an­stal­tung: Brain­stor­ming „Inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on 4.0“. Sie beschließt, dar­an teil­zu­neh­men und mel­det sich per Klick an. Es wird auto­ma­tisch ein Ter­min in ihrem Kalen­der ange­legt. Wäh­rend des Brain­stor­mings erge­ben sich inter­es­san­te Ansät­ze für die „Inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on 4.0“, wel­che durch den Mode­ra­tor im vir­tu­el­len Arbeits­raum  des Ter­mins auf der Col­lab-Platt­form doku­men­tiert und damit für alle Mit­ar­bei­ter ver­füg­bar gemacht wer­den. Die Geschäfts­füh­re­rin drückt ihre Wert­schät­zung für die Ergeb­nis­se mit „Gefällt mir“ aus. Durch die­se Anga­ben wird sie zukünf­tig in ihrem News­feed über die Ent­wick­lun­gen in die­sem Bereich infor­miert – und ihre Fol­lo­wer sehen ihre aktu­el­len Inter­es­sen. Über eine Push-Mel­dung auf ihrem Dienst­han­dy wird die Geschäfts­füh­re­rin auf einen neu­en Geset­zes­ent­wurf auf­merk­sam, des­sen Ver­öf­fent­li­chung sie bereits erwar­tet hat. Sie greift per Klick auf den Arti­kel zu und abon­niert das The­ma mit­samt aller Dis­kus­sio­nen hier­zu. Als kur­ze Zeit spä­ter der ver­ant­wort­li­che Jurist einen Kom­men­tar zum Geset­zes­ent­wurf hin­ter­lässt, wird sie unmit­tel­bar infor­miert.  Da noch eine Rück­fra­ge besteht, schickt sie eine pri­va­te Nach­richt an den als „avail­ab­le“ gekenn­zeich­ne­ten Mit­ar­bei­ter und ver­schafft sich bin­nen weni­ger Minu­ten ein kla­res Bild zum The­ma.

Use Case 2: Wir beglei­ten einen Mit­ar­bei­ter der Abtei­lung Netz­tech­nik bei einem Außen­dienst­ein­satz

Der Außen­dienst­mit­ar­bei­ter ist auf dem Weg zu einem Kun­den, wo er die Prü­fung einer Stö­rungs­mel­dung vor­neh­men möch­te. Auf dem Weg wird er durch einen Unfall-Stau auf­ge­hal­ten. Der Mit­ar­bei­ter pos­tet ein Bild des Staus mit den GPS­Da­ten in den vir­tu­el­len Arbeits­raum des  Außen­diens­tes, um sei­ne Kol­le­gen zu infor­mie­ren, das Gebiet bes­ser weit­räu­mig zu umfah­ren. Beim Kun­den ange­kom­men, unter­sucht er Stö­rung und iden­ti­fi­ziert den Zäh­ler als Ver­ur­sa­cher. Der  Kun­de infor­miert sich im Zuge des­sen zu den Smart-Meter-Ange­bo­ten des Stadt­werks. Da die Unter­hal­tung sehr schnell in die Details abdrif­tet, ruft der Außen­dienst­mit­ar­bei­ter über sei­ne App  Infor­ma­ti­ons­bro­schü­ren ab und erör­tert dem Kun­den die Chan­cen und Mög­lich­kei­ten des Smart Mete­rings. Das Inter­es­se des Kun­den ist geweckt, er wünscht ein kon­kre­tes Ange­bot. Der  Außen­dienst­mit­ar­bei­ter ver­merkt dies über sein Mobi­le Device und stößt damit die wei­te­ren Schrit­te unmit­tel­bar an.

Klein­wa­gen oder Limou­si­ne – wel­che Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form soll es wer­den?

Bei der Wahl der rich­ti­gen Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form steht eine Viel­zahl an Lösun­gen mit unter­schied­li­chem Funk­ti­ons­um­fang auf dem Markt zur Ver­fü­gung. Vor der Aus­wahl  eines Ansat­zes soll­ten die Bedürf­nis­se spe­zi­fi­ziert wer­den und dar­auf basie­rend das rich­ti­ge Pro­dukt aus­ge­wählt wer­den. Gleich­zei­tig ist das Timing bei der Ein­füh­rung mit wei­te­ren Initia­ti­ven rund um IT-Sys­te­me und Büro­aus­stat­tung zu syn­chro­ni­sie­ren.

Es las­sen sich ver­schie­de­ne Aus­prä­gungs­for­men einer Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form unter­schei­den, die im Fol­gen­den kurz  vor­ge­stellt wer­den sol­len: In einer Soci­al Com­mu­ni­ca­ti­on Platt­form (Klein­wa­gen) liegt der Fokus auf der Über­nah­me der Sys­te­ma­tik eines sozia­len Netz­werks. Dies beginnt mit Chats und setzt  sich über indi­vi­du­ell zusam­men­setz­ba­re News­feeds fort. Die Zusam­men­set­zung des News­feeds kann dabei durch den Sen­der als auch durch den Emp­fän­ger gesteu­ert wer­den. Auf einer Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form (Mit­tel­klas­se­wa­gen) kön­nen zusätz­lich Arbeits­do­ku­men­te über orga­ni­sa­to­ri­sche und räum­li­che Gren­zen hin­weg bereit­ge­stellt wer­den. Die­se Ver­füg­bar­keit schließt auch  die gleich­zei­ti­ge Bear­bei­tung der Unter­la­gen durch Mit­ar­bei­ter eines Unter­neh­mens, aber auch den Ein­be­zug Exter­ner mit ein. Das im Unter­neh­men vor­han­de­ne und wach­sen­de Wis­sen für den  Nut­zer wird über eine intel­li­gen­te Live-Suche ermög­licht.
Eine inte­grier­te Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form (Limou­si­ne) als maxi­ma­le Aus­prä­gungs­stu­fe beinhal­tet außer­dem Cock­pits, wel­che dem  Nut­zer in Echt­zeit Trans­pa­renz über Kenn­zah­len und Pro­zes­se bie­ten. Hier­für müs­sen auch Daten aus anzu­bin­den­den Sys­te­men (CRM, EDM, GIS, Abrech­nungs­sys­te­me etc.) aus­wert­bar gemacht wer­den.

Fazit

Die Digi­ta­li­sie­rung des Arbeits­um­felds unter­stützt den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess des EVU und ist eine wich­ti­ge Rah­men­be­din­gung für die Ver­an­ke­rung „digi­ta­len Den­kens“ und einer ent­spre­chen­den Inno­va­ti­ons­kul­tur. Digi­ta­li­sie­rungs­in­itia­ti­ven soll­ten daher nicht nur aus Produkt‑, Pro­zess- oder Orga­ni­sa­ti­ons­sicht gestal­tet wer­den, son­dern auch die kul­tu­rel­len Aspek­te  berück­sich­ti­gen. Bei der Aus­prä­gung einer Soci­al Col­la­bo­ra­ti­on Platt­form bestehen ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten – eine Iden­ti­fi­ka­ti­on und Prio­ri­sie­rung der Bedürf­nis­se soll­te einem Imple­men­tie­rungs­pro­jekt somit unbe­dingt vor­ge­schal­tet wer­den.

Erschie­nen bei ener­ga­te, e|m|w Aus­ga­be 2|18.

Rachel Mende

Rachel Mende

Geschäftsführerin
con|energy swiss
mende@conenergy.com

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