Coro­na – Chan­ce für den Ener­gie­ein­kauf?

Lesedauer: 3 Minuten

Coro­na hat uns und die Märk­te immer noch fest im Griff, obgleich die ange­kün­dig­ten und teil­wei­se bereits umge­setz­ten Locke­rungs­maß­nah­men uns glau­ben las­sen könn­ten, wir wür­den zur Vor-Kri­sen-Nor­ma­li­tät zurück­keh­ren. Die Markt­prei­se spre­chen aber eine ande­re Spra­che.

Das kurz­fris­ti­ge Ver­brauchs­ver­hal­ten hat sich geän­dert und Men­gen- und Struk­tur­an­pas­sun­gen sind erfor­der­lich. Auch die erwar­te­ten Ver­bräu­che bis zum Jah­res­en­de sind mit gro­ßen Fra­ge­zei­chen ver­se­hen. Eben­so sind die Prei­se aktu­el­ler, aber auch zukünf­ti­ger Lie­fer­pe­ri­oden stark gesun­ken, so dass sich bei ent­spre­chen­der Beschaf­fungs­stra­te­gie stra­te­gi­sche Chan­cen erge­ben. Hier­durch ist Hand­lungs­be­darf gege­ben. Ers­te von con|energy unter­neh­mens­be­ra­tung durch­ge­führ­te Pro­jek­te zei­gen, dass auch jetzt Maß­nah­men ergrif­fen wer­den kön­nen, die ver­än­der­ten Markt­be­din­gun­gen als Chan­ce zu nut­zen.

Wäh­rend die Aus­spei­se­men­gen bei SLP-Kun­den Coro­na-bedingt sich nicht ver­än­dert haben, ist im Strom­be­reich durch #sta­ya­thome eine deut­li­che Ver­brauchs­zu­nah­me zu beob­ach­ten gewe­sen. Die­se Ent­wick­lun­gen im Haus­halts­kun­den­be­reich für Gas und Strom sind aber durch die Ver­brauchs­ver­än­de­run­gen im Geschäfts­kun­den­be­reich und bei den gewerb­li­chen und indus­tri­el­len Ver­brau­chern mehr als kom­pen­siert wor­den. Die­se Men­gen­rück­gän­ge hat bei vie­len Ver­sor­gern zu erheb­li­chen Ver­lus­ten beim Ver­kauf die­ser Über­schuss­men­gen geführt. So bezif­fert E.on die coro­nabe­ding­ten Ver­lus­te auf einen nied­ri­gen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag (Quel­le: ener­ga­te mes­sen­ger vom 12.05.2020; Link),  aber auch ande­re Ver­sor­ger wie die Saar­brü­cker VSE berich­tet von Absatz­rück­gän­gen in den Mona­ten des Lock­down bei den von VSE belie­fer­ten Indus­trie­un­ter­neh­men im Saar­land um 20 bis 30 Pro­zent. Teil­wei­se waren es auch 50 Pro­zent, wenn die Unter­neh­men den Betrieb ganz ein­stell­ten. (Quel­le: ener­ga­te mes­sen­ger vom 12.05.2020, Link). Mit Aus­sa­gen in Bezug auf das Ver­brauchs­ver­hal­ten bis zum Jah­res­en­de hal­ten sich vie­le Ver­sor­ger zurück. Die kri­ti­sche Fra­ge ist hier, wann mit einer Nor­ma­li­sie­rung der Ver­bräu­che gerech­net wer­den kann. Ging man anfäng­lich von einer Rück­kehr zu Nor­mal­ver­bräu­chen im Som­mer aus, sind jetzt pes­si­mis­ti­sche­re Sze­na­ri­en anzu­neh­men. Dabei zeich­nen Strom- und Gas­ab­satz unein­heit­li­che Bil­der. Im Gas­be­reich über­la­gern die Ver­än­de­run­gen des Kli­mas und das mil­de Wet­ter die kri­sen­be­din­gen und auch die kon­junk­tu­rell beding­ten Absatz­rück­gän­ge. Im Strom­be­reich ist der Lock­down und der sich wohl anschlie­ßen­de kon­junk­tu­rel­le Rück­gang im Geschäftskunden‑, indus­tri­el­len und gewerb­li­chen Strom­ver­brauch deut­lich zu erken­nen.

War anfangs noch befürch­tet wor­den, eine Viel­zahl von Kun­den wür­den die gesetz­lich geschaf­fe­ne Mög­lich­keit der Stun­dung der Zah­lun­gen für Ener­gie­lie­fe­run­gen nut­zen, hat eine Umfra­ge von ener­ga­te erge­ben, dass von die­sem Instru­ment bis­her zurück­hal­tend Gebrauch gemacht wird (Quel­le: ener­ga­te mes­sen­ger vom 12.05.2020, Link).

Ein Blick auf die Märk­te lehrt uns aber, dass eine schnel­le Rück­kehr zur Vor-Coro­na-Situa­ti­on nicht zu erwar­ten ist, viel­mehr nimmt die Unsi­cher­heit in Bezug auf die zukünf­ti­ge Preis­ent­wick­lung wie­der zu, weil jetzt kon­junk­tu­rel­le Fol­gen sicht­bar wer­den. 

Abbil­dung 1: Preis­ent­wick­lung Strom Cal21

Damit ergibt sich Hand­lungs­be­darf sowohl in Bezug auf die Men­gen­pla­nung bzw. Men­gen­pro­gno­se als auch auf für die Beschaf­fung. Gera­de die anhal­ten­de Unsi­cher­heit an den Groß­han­dels­märk­ten bie­tet Chan­cen, stra­te­gi­sche Vor­tei­le beim Ener­gie­ein­kauf zu nut­zen, ande­rer­seits aber auch die bestehen­de Beschaf­fungs­stra­te­gie kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, ob sie denn für die Kri­sen­zei­ten geeig­net ist. Ers­te Pro­jek­te „Quick-Check-Beschaf­fungs­stra­te­gie“ sind bereits abge­schlos­sen. Dabei zeig­te sich, dass

  • ein Review getrof­fe­ner Maß­nah­men Sicher­heit für Ent­schei­dungs­trä­ger bringt
  • Tole­ranz­bän­der in Kun­den­ver­trä­gen viel­fach nicht geeig­net sind die Preis­aus­wir­kung von Men­gen- und Struk­tur­ver­än­de­run­gen auf­zu­fan­gen
  • lang­fris­ti­ge Beschaf­fungs­mo­del­le „Son­der­re­ge­lun­gen für Kri­sen­zei­ten“ benö­ti­gen
  • Fle­xi­bi­li­tät und pro­fes­sio­nel­les Port­fo­lio-Manage­ment Vor­aus­set­zung für die Aus­nut­zung der Markt­be­we­gung ist
  • geeig­ne­te Sys­tem­un­ter­stüt­zun­gen vor­han­den sein müs­sen, um schnell und sicher hand­lungs­fä­hig zu sein

Durch die sich fort­set­zen­de Unsi­cher­heit an den Groß­han­dels­märk­ten erge­ben sich auch jetzt noch, mit­ten in der Kri­se oder vor Beginn eines kon­junk­tu­rel­len Abschwungs, Mög­lich­kei­ten, die Markt­si­tua­ti­on als Chan­ce zu nut­zen. 

Dr. Thomas Pilgram

Dr. Thomas Pilgram

Partner
con|energy unternehmensberatung gmbh
pilgram@conenergy.com

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