Der Weg zur opti­ma­len Eigen­leis­tungs­tie­fe – Ein prag­ma­ti­scher Ansatz zur Beant­wor­tung der Fra­ge: Make or Buy?

Lesedauer: 3 Minuten
Kon­zen­tra­ti­on auf das Kern­ge­schäft

Gerin­ge Ver­triebs­mar­gen, defi­zi­tä­re Kraft­werks­be­tei­li­gun­gen und der zuneh­men­de Effi­zi­enz­druck durch den Regu­lie­rer zwin­gen Ener­gie­ver­sor­ger, tief­grei­fen­de Opti­mie­rungs­maß­nah­men vor­zu­neh­men, um die eige­ne Wett­be­werbs­po­si­ti­on zu stär­ken. Die gro­ßen Ver­sor­ger haben bereits vor­ge­macht, wie solch weit­rei­chen­de Ver­än­de­run­gen aus­se­hen kön­nen: RWE und E.ON spal­ten das kon­ven­tio­nel­le Kraft­werks­ge­schäft sowie den Ener­gie­han­del vom Rest des Kern­ge­schäfts ab, EnBW stellt sei­nen Groß­kun­den­ver­trieb ein, um nur die pro­mi­nen­tes­ten Bei­spie­le zu nen­nen.

Kon­zen­tra­ti­on auf das Kern­ge­schäft lau­tet das Cre­do der Bran­che. Doch wie defi­niert sich das Kern­ge­schäft eines EVUs vor dem Hin­ter­grund der sich ste­tig ändern­den ener­gie­wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen? Wel­che Leis­tun­gen zäh­len zur Kern­kom­pe­tenz? Wel­che Leis­tun­gen eig­nen sich zur Fremd­ver­ga­be an Dienst­leis­ter? Die­se Fra­gen stel­len sich mehr und mehr Unter­neh­men der Bran­che und hin­ter­fra­gen ihr Leis­tungs­port­fo­lio kri­tisch.

Über­prü­fung der Eigen­leis­tungs­tie­fe

Kos­ten­ver­glei­che zei­gen, dass EVUs in vie­len Berei­chen eine im Ver­gleich zum Markt deut­lich höhe­re Kos­ten­struk­tur auf­wei­sen. Klas­si­sche Über­le­gun­gen zur Ver­bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on wie IT- oder Pro­zess­op­ti­mie­run­gen sto­ßen hier häu­fig an Ihre Gren­zen. Tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen sind not­wen­dig, um eine zukunfts­fä­hi­ge Struk­tur zur ent­wi­ckeln, die lang­fris­tig die Wett­be­werbs­fä­hig­keit sichert. In die­sem Kon­text gewinnt die Fra­ge­stel­lung nach der Ver­tei­lung von Eigen- und Fremd­leis­tun­gen (Make-or-Buy) ver­stärkt an Bedeu­tung.

Pra­xis­ori­en­tier­te Make-or-Buy Ana­ly­se

Die Bera­tungs­pra­xis zeigt, dass eine klas­si­sche Make-or-Buy Ana­ly­se basie­rend auf Wirt­schaft­lich­keits­ver­glei­chen und ohne Berück­sich­ti­gung der ener­gie­wirt­schaft­li­chen Beson­der­hei­ten in der Regel zu kurz springt. Aus die­sem Grund hat die con|energy unter­neh­mens­be­ra­tung einen prag­ma­ti­schen Ansatz ent­wi­ckelt, der es ermög­licht, ziel­ge­rich­tet und effi­zi­ent die opti­ma­le Ver­tei­lung von Eigen- und Fremd­leis­tun­gen indi­vi­du­ell für jedes EVU zu bestim­men.


In der gän­gi­gen Lite­ra­tur wer­den Make-or-Buy Ent­schei­dun­gen im Wesent­li­chen auf Basis von Wirt­schaft­lich­keits­ver­glei­chen getrof­fen. Die Pra­xis zeigt jedoch, dass ein Kos­ten- und Erlös­ver­gleich allein nicht aus­reicht, um tat­säch­lich eine fun­dier­tes Ergeb­nis zu erhal­ten. Aus die­sem Grund setzt con|energy bei der Make-or-Buy Ana­ly­se auf vier Bewer­tungs­kri­te­ri­en, wel­che bereits in vie­len Pro­jek­ten ver­probt wer­den konn­ten und sich stets bewährt haben:

1.   Stra­te­gi­sche Rele­vanz

Unter­schei­dung exis­ten­zi­el­ler Funk­tio­nen zur Auf­recht­erhal­tung des Geschäfts von unter­stüt­zen­den Funk­tio­nen

2.   Wirt­schaft­lich­keits­ni­veau
Ver­gleich der anfal­len­den Inhouse-Kos­ten (Eigen­leis­tung) mit den Dienst­leis­ter­kos­ten im Fal­le einer Fremd­ver­ga­be

3.   Kom­pe­tenz­pro­fil
Bewer­tung des Out­puts der ver­schie­de­nen Funk­ti­ons­be­rei­che und Qua­li­tät der Leis­tun­gen

4.   Markt­li­qui­di­tät
Bewer­tung der Ver­füg­bar­keit der Leis­tung am Markt

Die zu Funk­ti­ons­be­rei­chen aggre­gier­ten Leis­tun­gen eines Ver­sor­gers wer­den auf Basis die­ser Bewer­tungs­kri­te­ri­en quan­ti­ta­tiv bewer­tet. Je nach Anfor­de­rung des EVU, kann der Umfang der Ana­ly­se je Kri­te­ri­um vari­ie­ren. So kann das Wirt­schaft­lich­keits­ni­veau sowohl auf Basis von indi­ka­ti­ven Abschät­zun­gen, als auch auf Basis von detail­lier­ten Kos­ten­er­he­bun­gen getrof­fen wer­den.

Im Ergeb­nis steht eine fun­dier­te Make-or-Buy Ent­schei­dung, wel­che indi­vi­du­ell für den Ver­sor­ger des­sen opti­ma­le Ver­tei­lung von Eigen- und Fremd­leis­tun­gen dar­stellt.

Beson­der­hei­ten im Netz­ge­schäft

Make-or-Buy Fra­ge­stel­lun­gen im Netz­ge­schäft sind in Bezug auf das Wirt­schaft­lich­keits­kri­te­ri­um beson­ders zu betrach­ten, da alle Kos­ten­er­he­bun­gen vor dem regu­la­to­ri­schen Hin­ter­grund betrach­tet wer­den müs­sen. Dadurch erge­ben sich, in Abhän­gig­keit der Kos­ten­struk­tur eines EVU oder Netz­be­trei­bers, deut­lich ver­än­der­te Rah­men­be­din­gun­gen. Auf­grund der regu­la­to­ri­schen Aner­ken­nungs­fä­hig­keit von Kos­ten­be­stand­tei­len (bspw. dnb-Kos­ten) bewe­gen sich die Kos­ten für Eigen- und Fremd­leis­tung viel­fach auf sehr ähn­li­chem Niveau. In die­sen Fäl­len kön­nen durch die Fremd­ver­ga­be von Leis­tun­gen kei­ne wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le erzielt wer­den. Ande­re Über­le­gun­gen wie stra­te­gi­sche Rele­vanz, vor­han­de­nes Mit­ar­bei­ter-Know-how oder Fle­xi­bi­li­tät tre­ten stär­ker in den Vor­der­grund. Ände­run­gen der regu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen könn­ten hier jedoch grund­le­gen­de Ände­run­gen bedeu­ten.

Um die für den Ver­sor­ger indi­vi­du­el­le Eigen­leis­tungs­tie­fe zu ent­wi­ckeln, setzt con|energy stets auf enge Zusam­men­ar­beit mit dem Kun­den. So konn­ten bereits vie­le Pro­jek­te rund um die Fra­ge­stel­lung Make-or-Buy erfolg­reich abge­schlos­sen wer­den, wodurch letzt­lich ein zen­tra­les Ziel der Ener­gie­ver­sor­ger erreicht wird – die Aus­ge­stal­tung einer zukunfts­fä­hi­gen Orga­ni­sa­ti­on, um sich den wan­deln­den Rah­men­be­din­gun­gen der Ener­gie­wirt­schaft fle­xi­bel anpas­sen zu kön­nen.

Für Dis­kus­sio­nen zum The­ma ste­hen wir Ihnen jeder Zeit ger­ne zur Ver­fü­gung. Inter­es­se? Spre­chen Sie uns an.

Erschie­nen im con­en­er­gy News­let­ter Aus­ga­be 30 (August 2016).

Ron Keßeler

Ron Keßeler

Geschäftsführer
con|energy unternehmensberatung
kesseler@conenergy.com

Bei­trag Tei­len:

Facebook
Google+
Twitter
LinkedIn