Erst ein­mal abwar­ten … ist fahr­läs­sig!

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Inter­view der ener|gate messenger.ch mit con|energy swiss Geschäfts­füh­re­rin Rachel Men­de vom 24.07.2018 zu den Her­aus­for­de­run­gen im Schwei­zer Ener­gie­markt

Frau Men­de, Sie sind seit kur­zem Mit­glied des Bei­rats des ener­ga­te mes­sen­ger Schweiz. Wie bli­cken Sie als Bera­te­rin auf den Wan­del am Ener­gie­markt und was möch­ten Sie in den Bei­rat ein­brin­gen? 
Der Ener­gie­markt erlebt aktu­ell eine gros­se Dyna­mik. Es tre­ten fast täg­lich neue Play­er mit inno­va­ti­ven Ide­en aufs ener­gie­wirt­schaft­li­che Par­kett und auch Ener­gie­ver­sor­ger bil­den stra­te­gi­sche Alli­an­zen und ent­wi­ckeln neue und teils höchst inno­va­ti­ve Geschäfts­mo­del­le. Um sich hier stra­te­gisch rich­tig zu posi­tio­nie­ren und Chan­cen wie auch Risi­ken früh­zei­tig erken­nen zu kön­nen, sind aktu­el­le und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Infor­ma­tio­nen das A und O. Der ener­ga­te mes­sen­ger Schweiz bie­tet die­se Infor­ma­tio­nen und ich freue mich das Pro­dukt gemein­sam mit dem Bei­rat wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und im Markt zu ver­brei­ten.

Sie waren vie­le Jah­re in Deutsch­land für con|energy tätig. Was ist in der Schwei­zer Ener­gie­wirt­schaft anders als im gros­sen Kan­ton? 
Die Her­aus­for­de­run­gen sind mit­tel­fris­tig in bei­den Län­dern gleich und das Fazit klar: Wer sich dem Wan­del ver­schliesst, ver­liert! Ener­gie­ver­sor­ger in Deutsch­land und der Schweiz kämp­fen bedingt durch zuneh­men­de Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Dezen­tra­li­tät mit rück­läu­fi­gen Absatz­zah­len im Kern­ge­schäft, wel­che nur durch Auf­bau von neu­en Geschäfts­fel­dern im wett­be­werb­li­chen Umfeld kom­pen­siert wer­den kön­nen. Um hier erfolg­reich zu sein, ist ein Umden­ken und eine Moder­ni­sie­rung alt­ein­ge­ses­se­ner Struk­tu­ren erfor­der­lich. Im Ver­gleich neh­me ich in Deutsch­land einen höhe­ren Lei­dens­druck und damit ins­ge­samt auch einen stär­ke­ren Ver­än­de­rungs­wil­len wahr. Wäh­rend die Schwei­zer Ener­gie­wirt­schaft noch eher abwar­tet, tre­ten deut­sche Ener­gie­ver­sor­ger lang­sam aber sicher in Akti­on. Spä­tes­tens mit einer voll­stän­di­gen Markt­öff­nung erwar­te ich eine ähn­li­che Ent­wick­lung auch in der Schweiz.

Was kön­nen Schwei­zer EVU von den Deut­schen ler­nen und umge­kehrt? 
In bei­den Län­dern ent­ste­hen aktu­ell span­nen­de Ide­en und Initia­ti­ven rund um die The­men Dezen­tra­li­tät und Mobi­li­tät. Ich sehe hier kein Land per se als füh­rend an. Ein Aus­tausch sowie der Auf­bau und die Pfle­ge län­der­über­grei­fen­der Netz­wer­ke führt aus mei­ner Sicht klar zur Win-Win Situa­ti­on.

Es gibt Kri­tik an der Ener­gie­stra­te­gie 2050, die­se sei noch zu unkon­kret. Stimmt das? 
Natür­lich gibt es Kon­kre­ti­sie­rungs- und auch Opti­mie­rungs­be­darf an der Ener­gie­stra­te­gie 2050, was über einen sicher­lich noch lan­ge andau­ern­den Pro­zess zwi­schen Poli­tik und Inter­es­sens­ver­tre­tern der betei­lig­ten Bran­chen zu regeln ist. Aus Sicht der Ener­gie­ver­sor­ger sind die wesent­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen jedoch gesetzt und es ist an der Zeit, die not­wen­di­ge Trans­for­ma­ti­on in die neue Ener­gie­welt anzu­stos­sen. Das Argu­ment, in punc­to Zukunft erst ein­mal abwar­ten zu wol­len, weil sich gege­be­nen­falls viel­leicht doch noch etwas an der Ener­gie­stra­te­gie ändert, ist in mei­nen Augen bei der schon ange­spro­che­nen Dyna­mik des Mark­tes höchst fahr­läs­sig.

Für wann rech­nen Sie mit einer voll­stän­di­gen Markt­öff­nung in der Schweiz und was bedeu­tet das für die Bran­che, aber auch für eine Bera­tungs­fir­ma? 
Ich gehe von einer voll­stän­di­gen Markt­öff­nung in 2023 aus, wel­che die Bran­che sicher­lich bin­nen zwei bis drei Jah­ren Vor­lauf inten­siv beschäf­ti­gen wird. Hier­durch ste­hen dann wie­der­um weni­ger Res­sour­cen für die Ent­wick­lung des Neu­ge­schäfts zur Ver­fü­gung, was die Bran­che an die­ser Stel­le gegen­über bran­chen­frem­den Wett­be­wer­bern zurück­wer­fen wird. Eine Bera­tungs­fir­ma kann hier durch Know-how, Erfah­rung und Res­sour­cen sowohl bei einer effi­zi­en­ten Umset­zung inter­ner Struk­tu­ren für libe­ra­li­sier­te Markt­pro­zes­se wie auch der Ent­wick­lung bezie­hungs­wei­se Wei­ter­ent­wick­lung des Neu­ge­schäfts unter­stüt­zen. con|energy arbei­tet bereits heu­te mit dem Quick­check “Fit for Markt­öf­fung” mit Ener­gie­ver­sor­gern an der Vor­be­rei­tung auf die vol­le Markt­öff­nung, um im Fall der Fäl­le rei­bungs­lo­se Abläu­fe zu gewähr­leis­ten.

In die­sem Jahr ist das gros­se The­ma der Eigen­ver­brauch. Wie sehen Sie die­ses The­ma? 
In mei­nen Augen ist das The­ma Eigen­ver­brauch dop­pelt wert­voll für Ener­gie­ver­sor­ger. Zum einen birgt Eigen­ver­brauch lang­fris­ti­ge Erlös­po­ten­zia­le für Ver­sor­ger, sofern die EVU-Lösung als ska­lier­ba­res Pro­dukt in Ver­bin­dung mit Cross­sel­ling-Ele­men­ten wie Peer-to-Peer oder vir­tu­el­len Spei­chern auf­ge­setzt wird. Zum ande­ren bewirkt die Ent­wick­lung einer Eigen­ver­brauchs-Lösung einen Anstoss not­wen­di­ger Chan­ge-Pro­zes­se in der Orga­ni­sa­ti­on. Bei­spiels­wei­se ist bei der Pro­dukt­ent­wick­lung bereichs­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit von Ver­trieb, Netz und Abrech­nung erfor­der­lich – vie­ler­orts ein Novum. Auch stos­sen ener­gie­wirt­schaft­li­che Abrech­nungs­sys­te­me an ihre Gren­zen, wie auch ver­trieb­lich gere­gelt wer­den muss, wer das The­ma ver­kauft, abwi­ckelt und betreut.

Auch Digi­ta­li­sie­rung ist ein viel­fach dis­ku­tier­tes Schlag­wort. Zu Recht? 
Auf jeden Fall. Der Digi­ta­li­sie­rungs­trend bie­tet Poten­zia­le für Effi­zi­enz­ge­win­ne, ist Enab­ler für neue Geschäfts­mo­del­le und revo­lu­tio­niert die bis dato oft star­re und ana­lo­ge Bezie­hung zum Kun­den. Die Her­aus­for­de­rung für Ener­gie­ver­sor­ger liegt dar­in, die vie­len Hand­lungs­be­dar­fe zu iden­ti­fi­zie­ren, zu prio­ri­sie­ren, anzu­stos­sen und zu moni­to­ren. Ein Vor­ge­hen, bei dem eine kla­re Stra­te­gie und Road­map hilft.

Wenn Sie mit EVU spre­chen. Wo drückt der Schuh bei den Unter­neh­men am meis­ten und was raten Sie denen? 
Zwei wesent­li­che The­men haben wir bereits ange­spro­chen: natür­lich trei­ben die Iden­ti­fi­zie­rung und Ent­wick­lung neu­er Geschäfts­mo­del­le das Manage­ment genau­so um wie der Umgang mit der Digi­ta­li­sie­rung. Hin­zu kom­men der zuneh­men­de Fach­kräf­te- und Nach­wuchs­man­gel in den tech­ni­schen Kern­ge­schäfts­fel­dern, wie auch der kul­tu­rel­le Bruch zwi­schen den Jun­gen Wil­den, wel­che Inno­va­tio­nen vor­an­trei­ben, und den alt­ein­ge­ses­se­nen Stadt­wer­kern. Wir raten unse­ren Kun­den, sich eine kla­re Zukunfts­stra­te­gie zurecht­zu­le­gen, wel­che alle Hand­lungs­fel­der umfasst und lang­fris­tig aus­ge­legt ist. Nur so wird das Big Pic­tu­re mit­samt der kom­ple­xen Zusam­men­hän­ge gese­hen, was eine über­grei­fen­de Prio­ri­sie­rung und damit einen effi­zi­en­ten Res­sour­cen­ein­satz ermög­licht.

Link zum Arti­kel Teil 1

Link zum Arti­kel Teil 2

Rachel Mende

Rachel Mende

Geschäftsführerin
con|energy swiss
mende@conenergy.com

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