Elek­tro­mo­bi­li­tät im Stadt­werk — Eine Bestands­auf­nah­me mit Per­spek­ti­ve

Lesedauer: 3 Minuten
Elek­tro­mo­bi­li­tät: Vom Mar­ke­ting­the­ma zum Geschäfts­mo­dell

Die Jah­re 2016 und 2017 gel­ten als Start­schuss zur Erschlie­ßung des Mas­sen­markts „Elek­tro­mo­bi­li­tät“. Alle nam­haf­ten Auto­mo­bil-Her­stel­ler – dar­un­ter Toyo­ta, VW, Nis­san, Renault, BMW und Daim­ler – haben in die­ser Zeit kon­kre­te Elek­tro­mo­bi­li­täts-Stra­te­gi­en und Fahr­zeu­ge vor­ge­stellt. Bis 2020 wer­den allein von o. g. Her­stel­lern vor­aus­sicht­lich über 50 Model­le mit voll­elek­tri­schem Antrieb („bat­te­ry elec­tric vehi­cles“ (BEV)) ver­füg­bar sein. Hin­zu kom­men Model­le diver­ser „Start-Ups“ (wie Nio, Byton, Unity oder e.GO), die ihre Chan­ce zum Markt­ein­tritt in der bevor­ste­hen­den Zeit eines Tech­no­lo­gie­wech­sels sehen. Die­se Ent­wick­lun­gen sind nicht zuletzt ein Ver­dienst des Pio­niers Tes­la unter Füh­rung sei­nes Grün­ders Elon Musk. Die­ser hat durch das „Model 3“ den Hand­lungs­druck auf die gesam­te Bran­che mas­siv erhöht. Chi­na hat die­sen Druck durch sei­ne Geset­zes-Novel­len wei­ter erhöht – denn für deut­sche Auto­mo­bil­her­stel­ler ist das „Land der Mit­te“ welt­weit wich­tigs­ter Absatz­markt. The­men wie „Fein­staub-Belas­tung“, „Abgas-Skan­da­le“ sowie die Die­sel-Fahr­ver­bo­te in deut­schen Städ­ten haben dem Elek­tro­au­to und der Elek­tro­mo­bi­li­tät all­ge­mein neu­en Schub ver­passt. Glaubt man aktu­el­len Stu­di­en wird die Kos­ten­pa­ri­tät zwi­schen PKW mit Ver­bren­nungs­mo­tor und Elek­tro­au­tos ab 2020 im Klein­wa­gen­seg­ment erreicht, bei grö­ße­ren Fahr­zeug­klas­sen erst um 2025. Dann soll jedes fünf­te Fahr­zeug auf deut­schen Stra­ßen mit elek­tri­schem Antrieb unter­wegs sein.

Aktu­el­le Situa­ti­on bei Stadt­wer­ken

Elek­tro­mo­bi­li­tät“ wird schon seit Jah­ren durch Stadt­wer­ke the­ma­ti­siert. Nahe­zu in jeder Stadt fin­den sich öffent­li­che Lade­säu­len, die von „Platz­hir­schen“ vor Ort betrie­ben wer­den. Die­se sind aller­dings oft weni­ger auf­grund wirt­schaft­li­cher Über­le­gun­gen zur Säu­le gekom­men, als viel­mehr auf­grund des Wun­sches des kom­mu­na­len Anteils­eig­ners „doch auch eine Säu­le vor dem Rat­haus haben zu wol­len“. Doch die Zei­ten sind vor­bei, in denen Akti­vi­tä­ten (nur noch) mit dem Stem­pel „Mar­ke­ting“ ver­se­hen wer­den sol­len. Lang­fris­tig wer­den trag­fä­hi­ge Geschäfts­mo­del­le gesucht, die sich auf­tu­en­de Ertrags-Lücken im Kern­ge­schäft an ande­rer Stel­le schlie­ßen sol­len.

Übli­che“ Ein­stiegs­an­ge­bo­te sind Fahr­strom­ta­ri­fe oder Wall­bo­xen für die hei­mi­sche Gara­ge. Umfas­sen­de Lösun­gen für den Geschäfts­kun­den (als im Grun­de attrak­tivs­te Ziel­grup­pe) ste­hen oft­mals aber noch aus – nicht sel­ten auch des­halb, weil Stadt­wer­ke auf deren typi­sche Fra­ge­stel­lun­gen kei­ne Ant­wor­ten geschwei­ge denn dar­auf abge­stimm­te Pro­zes­se haben. Kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten gibt es bei die­sem The­ma oft­mals nicht, weil ent­spre­chen­de Pro­jek­te nicht in die Linie über­führt wur­den. Oft weiß die eine Abtei­lung im Haus nicht was die ande­re macht. Auf­wän­di­ge fall­wei­se Abstim­mun­gen sind not­wen­dig, die zum nor­ma­len Tages­ge­schäft hin­zu­kom­men.

Jetzt ist der rich­ti­ge Zeit­punkt für eine (Neu-)Justierung. Trans­pa­renz und Ord­nung zu schaf­fen ist der ers­te sinn­vol­le Schritt, um der stei­gen­den Anzahl an – z. T. noch unge­lös­ten – Kun­den­an­fra­gen im Bereich Elek­tro­mo­bi­li­tät gerecht wer­den zu kön­nen. Dafür ist es zunächst essen­ti­ell, den Sta­tus Quo zu erfas­sen und dabei unter ande­rem fol­gen­de Fra­gen zu beant­wor­ten:

  • Wel­che Organisationseinheit/Person ist für wel­che The­men zustän­dig?
  • Wel­chen Weg neh­men ein­ge­hen­de Kun­den­an­fra­gen?
  • Las­sen sich bereits alle Anfra­gen bedie­nen? Wel­che Poten­zia­le ver­ber­gen sich hin­ter den Anfra­gen? Was lässt sich ver­trieb­lich dar­aus ablei­ten?
  • Wie wird die Zusam­men­ar­beit mit inter­nen und exter­nen Part­nern (Anschluss und Netz­be­reich, Elek­tro­hand­werk etc.) pro­zes­su­al orga­ni­siert?

Im Nach­gang kann auf Basis der geplan­ten Geschäfts­feld­stra­te­gie eine SOLL-Orga­ni­sa­ti­on ent­wor­fen wer­den, die effi­zi­ent – abtei­lungs­über­grei­fend – die Beant­wor­tung der o. g. Fra­gen ermög­licht. Doch wie ent­wi­ckeln Stadt­wer­ke ihre Stra­te­gie für das Geschäfts­feld Elek­tro­mo­bi­li­tät? Wie bei allen The­men, die mit eini­ger Unsi­cher­heit behaf­tet sind, gilt es, sich zunächst dar­auf zu ver­stän­di­gen, auf wel­ches Ziel­bild hin­zu­ar­bei­ten ist. Wo wird die E-Mobi­li­tät in fünf oder zehn Jah­ren vor­aus­sicht­lich ste­hen? Erst mit die­sem Wis­sen lässt sich ziel­ge­rich­tet dar­auf hin­ar­bei­ten, die­sem Bild erfolg­reich zu ent­spre­chen. Die­se Basis ermög­licht es, sich mit der eige­nen Posi­ti­on und Rol­le aus­ein­an­der­zu­set­zen:

  • Was sind zukünf­ti­ge attrak­ti­ve Nut­zer­grup­pen und deren essen­ti­el­le Bedürf­nis­se?
  • Wo ent­ste­hen Wert­schöp­fungs­po­ten­zia­le?
  • Wo wer­den sich ande­re Markt­teil­neh­mer (Auto­mo­bil­her­stel­ler, Fahr­zeug­händ­ler, Tank­stel­len­ge­wer­be etc.) posi­tio­nie­ren?
  • Wel­che Lösun­gen für die Nut­zer­grup­pen will und kann das Stadt­werk bie­ten?
  • Wel­che davon möch­te man selbst erbrin­gen, wel­che ande­ren über­las­sen („Make or Buy“)?
    Wel­che Part­ner (z. B. Lad­ein­fra­struk­tur­her­stel­ler, Abrech­nungs­dienst­leis­ter oder Lea­sing-Gesell­schaf­ten) wer­den benö­tigt?
Wie wir Sie unter­stüt­zen kön­nen

Wir als con|energy unter­neh­mens­be­ra­tung haben in den letz­ten Jah­ren zahl­rei­che Stadt­wer­ke bei der Beant­wor­tung der o. g. Fra­gen beglei­tet. Dabei bewe­gen wir uns the­ma­tisch in einem brei­ten The­men­feld:

Als Resul­tat der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma Pro­zess­de­fi­ni­ti­on und Orga­ni­sa­ti­on sind agi­le Orga­ni­sa­ti­ons­for­men ent­stan­den, die eine effi­zi­en­te Abwick­lung der Auf­ga­ben über Abtei­lungs- und Unter­neh­mens­gren­zen hin­weg ermög­li­chen. Im Bereich Pro­dukt- und Geschäfts­feld­ent­wick­lung haben wir E-Mobi­li­täts-Leis­tungs­port­fo­li­en kon­zi­piert, die auf den Bedürf­nis­sen der Kern-Ziel­grup­pen im jewei­li­gen Ver­sor­gungs­ge­biet sowie auf den Stärken/Schwächen des Stadt­werks basie­ren. Wir haben mit unse­ren Kun­den Koope­ra­tio­nen mit Auto­mo­bil­händ­lern und -her­stel­lern aus­ge­stal­tet oder die Fra­ge beant­wor­tet, wel­cher Lad­ein­fra­struk­tur-Her­stel­ler am bes­ten zu den eige­nen Anfor­de­run­gen passt.

Erschie­nen im con­en­er­gy News­let­ter Aus­ga­be 43 (Mai 2018).

Dr. Heike Hahn

Dr. Heike Hahn

Mitglied der Geschäftsleitung
con|energy unternehmensberatung
hahn@conenergy.com

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