Kla­re Sicht und schnel­les Han­deln“ – Abwehr­maß­nah­men für grund­zu­stän­di­ge Mess­stel­len­be­trei­ber

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Der anste­hen­de Smart-Meter-Roll­out sorgt bereits für genug Hek­tik und Stress bei all denen, die den grund­zu­stän­di­gen Mess­stel­len­be­trieb über­neh­men wol­len und dafür einen wirt­schaft­li­chen Busi­ness Case benö­ti­gen. Jetzt droht auch noch Unge­mach von angrei­fen­den, wett­be­werb­li­chen Mess­stel­len­be­trei­bern: Sie wer­den ver­su­chen die wert­hal­tigs­ten Kun­den für sich zu gewin­nen. Um das zu ver­hin­dern, sind kla­re Sicht und schnel­les Han­deln gefragt.

Das neue Mess­stel­len­be­triebs­ge­setz ist vom Bun­des­tag beschlos­sen wor­den und Anfang Sep­tem­ber 2016 in Kraft getre­ten. Damit ist eine von zwei Hür­den für den Start des Smart-Meter-Roll­outs über­wun­den wor­den. Sobald nun genü­gend BSI zer­ti­fi­zier­te intel­li­gen­te Mess­sys­te­me auf dem Markt erhält­lich sind und das BSI damit die tech­ni­sche Mög­lich­keit des Roll­outs fest­stellt, ist die zwei­te Hür­de über­wun­den und der Smart-Meter-Roll­out star­tet.

Zwar wird dies frü­hes­tens Mit­te 2017 erwar­tet, den­noch müs­sen sich vie­le Ver­teil­netz­be­trei­ber mit der Ent­schei­dung befas­sen, ob sie den vom Gesetz­ge­ber für sie ange­dach­ten grund­zu­stän­di­gen Mess­stel­len­be­trieb (gMSB) über­neh­men und wie sie die Mess­stel­len in ihrem Netz­ge­biet suk­zes­si­ve mit intel­li­gen­ten Mess­sys­te­men und moder­nen Mess­ein­rich­tun­gen aus­stat­ten sol­len.

Kern­kri­te­ri­um für die Über­nah­me des gMSB ist ein soli­der Busi­ness Case. Doch die Erfül­lung die­ses Kern­kri­te­ri­ums könn­te durch eine wei­te­re Markt­rol­le gefähr­det wer­den: dem wett­be­werb­li­chen Mess­stel­len­be­trei­ber (wMSB).
Die Gefahr von wMSB geht von zwei Sei­ten aus:

  1. Ver­trieb von kom­bi­nier­ten Ange­bo­ten aus Ener­gie­lie­fe­rung und Mess­stel­len­be­trieb mit Ange­bo­ten, in denen die Ener­gie­lie­fe­rung den Mess­stel­len­be­trieb „sub­ven­tio­niert“
  2. Ver­trieb des Mess­stel­len­be­triebs ohne Ener­gie­lie­fe­rung – aber zu “Kampf­prei­sen“ unter­halb der Preis­ober­gren­ze

Ein ver­gleich­ba­res Ange­bot scheint für gMSB auf den ers­ten Blick unmög­lich: Die Preis­ober­gren­ze (POG) ist für gMSB häu­fig der Ret­tungs­an­ker, ohne den ihre Busi­ness Cases tief in die roten Zah­len zu rut­schen dro­hen. Ins­be­son­de­re sind für den wMSB Kun­den inter­es­sant, für die eine hohe POG gilt, da hier die poten­zi­el­le Preis­dif­fe­renz zwi­schen den Ange­bo­ten des gMSB und des wMSB am größ­ten sein wird. Das sind ins­be­son­de­re Kun­den mit einem Ver­brauch von 50 bis 100 MWh/a, für die eine POG von 200 €/a gilt.

Auch Mul­ti­si­te-Kun­den haben einen Anreiz ihren Mess­stel­len­be­trieb durch einen wMSB durch­füh­ren zu las­sen, da die ein­zel­nen Stand­or­te in ver­schie­de­nen Ver­teil­netz­ge­bie­ten lie­gen kön­nen und sie somit nur einen wMSB und nicht zahl­rei­che gMSB als Ansprech­part­ner für ihren Mess­stel­len­be­trieb haben.

Wir neh­men aber auch ver­mehrt Ange­bo­te im Markt wahr, die eine Kom­bi­na­ti­on von Mess­stel­len­be­trieb und Ener­gie­lie­fe­rung spe­zi­ell für Pri­vat­kun­den anbie­ten. Ins­ge­samt kann man also für kei­ne Kun­den­grup­pe aus­schlie­ßen, dass sie nicht doch von einem wMSB abge­wor­ben wer­den könn­te.

Um die Angrif­fe vom wMSB erfolg­reich abweh­ren zu kön­nen, muss sich der gMSB also eine kla­re Sicht auf sei­ne Kun­denver­schaf­fen. So kann er die Kun­den iden­ti­fi­zie­ren, die den größ­ten Ein­fluss auf sei­nen eige­nen Busi­ness Case haben und sei­nen Kun­den­stamm durch schnel­les Han­deln schüt­zen. Die­ser Ein­fluss wird wesent­lich durch die fol­gen­den Rah­men­be­din­gun­gen bestimmt:

  • Ver­hält­nis Zähler/Gateway
  • Ver­hält­nis draht­lo­se/draht-gebun­de­ne Lösun­gen
  • Wech­sel­quo­te je Kun­den­grup­pe von Kun­den zu wMSB

Ein beson­ders güns­ti­ges Ver­hält­nis von Zäh­ler und Gate­way haben ins­be­son­de­re gro­ße Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser oder Lie­gen­schaf­ten – damit wird auch die Woh­nungs­wirt­schaft zu einer der beson­ders inter­es­san­ten Kun­den­grup­pen für gMSB.

Das Ver­hält­nis von draht­lo­ser und draht­ge­bun­de­ner Anbin­dung der iMSys an das Wide-Area-Net­work ist von den ver­füg­ba­ren Tech­no­lo­gi­en in den ein­zel­nen Netz­ge­bie­ten abhän­gig — von DSL und Breit­band-Power­line (draht­ge­bun­den) bis hin zu GPRS und LTE (draht­los). Um die attrak­ti­ven Kun­den zu iden­ti­fi­zie­ren, ist eine Ana­ly­se der Beschaf­fen­heit Ihres Netz­ge­biets not­wen­dig.

Die Wech­sel­quo­te je Kun­den­grup­pe zu wMSB ist kurz­fris­tig durch die Schnel­lig­keit des gMSB bestimmt, in der alle für den Roll­out not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt wer­den. Lang­fris­tig wird die Wech­sel­quo­te dann von ech­ten Mehr­wer­ten und auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se der Kun­den­grup­pen zuge­schnit­te­nen Ange­bo­ten bestimmt.

Haben Sie bereits bewähr­te Abwehr­maß­nah­men gene­riert, um ihren Kun­den­stamm zu schüt­zen? Haben Sie die Beschaf­fen­heit ihres Net­zes bereits ana­ly­siert und die attrak­ti­ven Kun­den iden­ti­fi­ziert? Haben Sie alle recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, um den Roll­out zu star­ten und ihre Wech­sel­quo­te kurz­fris­tig zu mini­mie­ren? Gene­rie­ren Sie ech­te Mehr­wer­te, um Ihre Kun­den lang­fris­tig zu bin­den? Wenn Sie alle Fra­gen zuver­sicht­lich mit „Ja“ beant­wor­ten kön­nen, steht ihre Ver­tei­di­gung gegen­über Angrif­fen von wMSB bereits. Wenn nicht, ste­hen unse­re Exper­ten gern für einen Aus­tausch zur Ver­fü­gung, um auch für Sie effi­zi­en­te Abwehr­maß­nah­men zu ent­wi­ckeln.

Erschie­nen im con­en­er­gy News­let­ter Aus­ga­be 32 (Dezem­ber 2016).

Andreas Vieten

Andreas Vieten

Projektleiter
con|energy unternehmensberatung
vieten@conenergy.com

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