Regio­na­li­tät – Das neue Öko?

Lesedauer: 3 Minuten

Im eng umkämpf­ten Markt kön­nen und wol­len Stadt­wer­ke den stei­gen­den Preis­druck i. d. R. nicht mit­ge­hen. Sie müs­sen ander­wei­ti­ge Allein­stel­lungs­merk­ma­le auf­bau­en. Öko­pro­duk­te funk­tio­nie­ren hier schon lan­ge nicht mehr. Ist Regio­na­li­tät das neue Öko? Nicht erst seit Coro­na steigt die Nach­fra­ge nach Pro­duk­ten aus der Regi­on. Der Aus­fall glo­ba­ler Han­dels­ket­ten hat die Auf­merk­sam­keit auf die unmit­tel­ba­re Umge­bung geschult und rückt die regio­na­le Wert­schöp­fung stär­ker in den Fokus. Zudem scheint „Raus aufs Land“ wie­der an Bedeu­tung zu gewin­nen. „Öko“ im Sin­ne von „Nach­hal­tig­keit“ bleibt rele­vant – auch auf die regio­na­le Wert­schöp­fung bezo­gen.

In der Tat wird die regio­na­le Her­kunft von Pro­duk­ten immer wich­ti­ger. Laut dem aktu­el­len Ernäh­rungs­re­port des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft erach­ten 83 Pro­zent der Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher die Regio­na­li­tät von Lebens­mit­teln als wich­tig. Dies ent­spricht einer Stei­ge­rung von zehn Pro­zent gegen­über 2016. Mit der Coro­na-Pan­de­mie hat sich die­ser Effekt noch ver­stärkt. So ver­zeich­ne­te z. B. der Online-Anbie­ter „Hof­la­den­box“, der regio­na­le Lebens­mit­tel bereit­stellt, zu Beginn der Coro­na-Kri­se zeit­wei­se eine Ver­drei­fa­chung der Bestel­lun­gen (Link zur Quel­le).

Laut Natur­strom-Vor­stand Tim Mey­er sehen aber auch Öko­strom­an­bie­ter, Bür­ger­en­er­gie­ge­sell­schaf­ten, Pro­jekt­ent­wick­ler und Stadt­wer­ke schon seit eini­gen Jah­ren einen Markt für dezi­diert regio­na­le Strom­pro­duk­te. Regio­nal­ta­ri­fe adres­sie­ren sei­ner Mei­nung nach „die emo­tio­na­le Bin­dung des Kun­den an sei­nen Wohn­ort — eine Ver­bun­den­heit, die auf die Kun­den­be­zie­hung zum loka­len Ver­sor­ger abfär­ben soll“ (Link zur Quel­le). 

Um eine sol­che Belie­fe­rung von Letzt­ver­brau­chern mit grü­nem und regio­na­lem Strom zu ermög­li­chen, wur­den 2019 Regio­nal­strom­nach­wei­se ein­ge­führt. Mit ihnen wird der Nach­weis erbracht, dass die Kilo­watt­stun­de Strom im Umkreis von 50 km um eine „post­leit­zahl­ge­bun­de­ne Zone“ (PLZ) her­um pro­du­ziert, ver­trie­ben und ver­braucht wird – und das auch nur ein­mal. Für vie­le Stadt­wer­ke erge­ben sich dar­aus aller­dings kaum erfüll­ba­re Vor­aus­set­zun­gen.

Zum einen, weil sich der Pro­zess eher kom­plex dar­stellt: Die Nach­wei­se wer­den ähn­lich der Her­kunfts­nach­wei­se im Regio­nal­nach­weis­re­gis­ter (RNR) durch das Umwelt­bun­des­amt ver­wal­tet. Der Betrei­ber von EE-Anla­gen bean­tragt die Aus­stel­lung eines Regio­nal­strom­nach­wei­ses (RN) und über­trägt die­sen auf die Strom­lie­fe­ran­ten. Im letz­ten Schritt ent­wer­tet das Stadt­werk den Nach­weis, um die regio­na­le Eigen­schaft des Stroms aus­zu­wei­sen.

Schau­bild ange­lehnt an www.energie-experten.org

Zum ande­ren stel­len die feh­len­den Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten aus erneu­er­ba­ren Quel­len in der defi­nier­ten Regi­on eine Her­aus­for­de­rung dar. Deutsch­land zer­fällt lt. Mey­er in 6.500 vom Umwelt­bun­des­amt defi­nier­te Zonen — die sei­ner Mei­nung nach nicht unbe­dingt dem ent­spre­chen, was die Ver­brau­cher als “ihre” Regi­on wahr­neh­men. Viel­mehr müss­ten sich Regio­nal­ta­ri­fe, die die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher emo­tio­nal anspre­chen, nach deren Ver­ständ­nis einer Regi­on rich­ten — und das ist vor­nehm­lich geo­gra­phisch und durch Kul­tur­räu­me geprägt.

Hier setzt unser Vor­ge­hen als con|energy unter­neh­mens­be­ra­tung an. Neben der Tat­sa­che, dass wir ein Stadt­werk ger­ne dabei beglei­ten, sei­ne Mög­lich­kei­ten rund um Regio­nal­strom­nach­wei­se zu prü­fen und das Geschäfts­mo­dell aus­zu­ge­stal­ten, erar­bei­ten wir dar­über hin­aus gemein­sam mit dem Stadt­werk Ansät­ze, wel­che die Bür­ger vor Ort anspre­chen. Häu­fig wer­den bereits Akti­vi­tä­ten mit regio­na­lem Bezug rea­li­siert, die ein­zeln neben­ein­an­der­ste­hen und die „Klam­mer Regio­na­li­tät“ für die Kun­den nicht erken­nen las­sen. Auch Syn­er­gien im Quer­ver­bund wer­den häu­fig gar nicht oder zu wenig genutzt. Dabei bie­ten sich z. B. die Bün­de­lung von im Stadt­wer­ke­ver­bund eben­falls ange­bo­te­ner Frei­zeit­ein­rich­tun­gen (z. B. ein Schwimm­bad­be­such) oder Mobi­li­täts­lö­sun­gen (wie ein ÖPNV- oder Park­ti­cket bzw. ein E‑Mobilitätsangebot) mit Strom- und Gas­pro­duk­ten an. Gleich­wohl ist es nicht nötig, die ein­zel­nen Leis­tun­gen so mit­ein­an­der zu ver­we­ben, dass eige­ne Tarif­op­tio­nen im Abrech­nungs­sys­tem geschaf­fen wer­den müs­sen. Das lässt sich prag­ma­tisch hal­ten und sich ent­we­der digi­tal — oder den regio­na­len Cha­rak­ter unter­strei­chend — über das Kun­den­cen­ter lösen. Letz­te­res bie­tet zudem die Mög­lich­keit, Kun­den ihre Bün­del oder Zusatz­leis­tun­gen selbst wäh­len zu las­sen, was Auf­schluss über die jewei­li­gen Bedürf­nis­se und damit Ansatz­punk­te für die Seg­men­tie­rung und zukünf­ti­ge Markt­be­ar­bei­tung gibt. Ein sol­ches Vor­ge­hen wird nach unse­rer Erfah­rung eher von klei­ne­ren Stadt­wer­ken ohne brei­te Ver­triebs­struk­tu­ren gewünscht, die den per­sön­li­chen Besuch im Kun­den­cen­ter bewusst for­cie­ren.

Ger­ne unter­stüt­zen wir Sie mit fol­gen­den Schrit­ten:

    1. Ana­ly­se: Wir ana­ly­sie­ren ihr der­zei­ti­ges Ange­bot sowie das Markt­um­feld
    2. Good-Prac­ti­ce: Auf­bau­end auf den Ergeb­nis­sen unse­rer Ana­ly­se stel­len wir Ihnen Bei­spie­le bereits bestehen­der regio­na­ler Geschäfts­mo­del­le, Pro­duk­te oder Ideen vor. Gemein­sam iden­ti­fi­zie­ren wir Poten­zia­le zum Auf­bau eines Allein­stel­lungs­merk­mals mit regio­na­lem Bezug
    3. Ent­wick­lung zukünf­ti­ger Ansät­ze:
  1.  
      • Je nach Ana­ly­se­er­geb­nis und iden­ti­fi­zier­ten Poten­zia­len kann das wei­te­re Vor­ge­hen sich aus­schließ­lich auf (ergän­zen­de) regio­na­le Ansät­ze bezie­hen, die dem bestehen­den Strom- und Gas­port­fo­lio bei­gefügt wer­den – inklu­si­ve der sich dar­aus ganz­heit­lich erge­ben­den Ver­mark­tungs­sto­ry
      • Glei­cher­ma­ßen ist denk­bar, das bestehen­de Strom- und Gas­port­fo­lio anzu­pas­sen – oder auch neu zu ent­wi­ckeln, falls sich dafür Bedarf ergibt. Dies kann auf­grund von den Markt­um­feld betref­fen­den Anfor­de­run­gen sinn­voll sein, aber auch unter inter­nen Gesichts­punk­ten (feh­len­de Wirt­schaft­lich­keit ein­zel­ner Tari­fe; hoher Res­sour­cen­auf­wand der Pfle­ge und Betreu­ung von Tari­fen, die kaum nach­ge­fragt oder schon lan­ge nicht mehr aktiv ange­bo­ten wer­den (Port­fo­li­obe­r­ei­ni­gung); etc.)
      • Auch die Betrach­tung der Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft­lich­keit neu­er Ansät­ze kann in Form von Busi­ness Cases betrach­tet wer­den
      • Aus­ar­bei­tung von Ent­schei­dungs­vor­la­gen zur inter­nen Ver­mark­tung der neu­en Ansät­ze

Spre­chen Sie uns ger­ne an, um wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten oder ein für Ihr Stadt­werk pas­sen­des Vor­ge­hen abzu­stim­men.

Dr. Heike Hahn

Dr. Heike Hahn

Partner
con|energy unternehmensberatung
hahn@conenergy.com

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