Smart City — Sind die Ver­sor­ger bereit für eine Posi­tio­nie­rung?

Lesedauer: 4 Minuten

Ener­gie­ver­sor­ger (EVU) sind ers­ter Ansprech­part­ner und nicht sel­ten der lan­ge Arm der Stadt. Beim The­ma Smart City kann das zum Stol­per­stein wer­den. Wer sich nicht als Gemischt­wa­ren­la­den oder mit lee­ren Hän­den wie­der­fin­den möch­te, soll­te eine kla­re Posi­ti­on bezie­hen.

Smar­ti­fy your City!

Längst auf den Stra­ßen vor­rei­ten­der Metro­pol­städ­te ange­kom­men, erhält der Mega­trend spä­tes­tens in den aktu­el­len Legis­la­tur­pe­ri­oden Ein­zug in die Bür­ger­meis­ter­zim­mer aller Orte. Modell­städ­te bekom­men Mil­li­ar­den­för­de­run­gen, der Bund schiebt das The­ma vor­an und die Städ­te zie­hen mit. Grob pau­scha­li­siert heißt es dann in den loka­len Akti­ons­plä­nen „Unser/e Region/Stadt/Dorf soll zum Nut­zen der Bür­ger ver­netz­ter, intel­li­gen­ter und digi­ta­ler wer­den. Lebens­qua­li­tät wol­len wir stei­gern. Öko­lo­gi­scher wol­len wir wer­den. Und alle hel­fen mit. Allen vor­an unse­re städ­ti­schen Unter­neh­men“. Ver­än­de­rungs­wil­li­ge Städ­te­ver­tre­tun­gen und inter­es­sier­te Bür­ger bit­ten also dar­um, dass der loka­le Ver­sor­ger Smart City vor­lebt. Kaum ein Unter­neh­men ist im städ­ti­schen Umfeld näm­lich mehr Umset­zungs­part­ner der Stadt. Somit sind regio­na­le Ener­gie­ver­sor­ger und Stadt­wer­ke per se an den Ver­än­de­run­gen in der Stadt betei­ligt, tra­gen jedoch auch die Umset­zungs­ver­ant­wor­tung für die The­men, wel­che die Stadt von Ihnen umge­setzt haben will. Dabei lau­fen sie Gefahr, zu stark der Stadt zu fol­gen und blind deren Plä­nen nach­zu­lau­fen. Doch was passt wirk­lich zum Stadt­werk und wofür steht das Stadt­werk im Smart City Umfeld? Hier soll­te pro­ak­tiv und stra­te­gie­ba­siert gehan­delt wer­den, denn nur dort, wo EVU Stär­ken haben oder sich ohne­hin wei­ter­ent­wi­ckeln, kön­nen Sie auch Erfol­ge her­bei­füh­ren.

Stadt­werk bleib bei Dei­nen Leis­tun­gen! Und wach­se aus Dei­nen Stär­ken.

Im Kern ste­hen Ver­sor­ger für die Beherr­schung der städ­ti­schen The­men Ener­gie- und Wär­me, ein­schließ­lich (dezen­tra­ler) Erzeu­gung. Ver­bund­un­ter­neh­men bie­ten zudem Wasser‑, Telekommunikation‑, ÖPNV- und Bäder­kom­pe­ten­zen. Mehr­heit­lich wur­den die­se Kern­the­men in der Ver­gan­gen­heit um die The­men E‑Mobilität, Gebäu­de­tech­nik und Quar­tier­s­ent­wick­lung ergänzt. Alles was in die­sem Umfeld pas­siert, bean­spru­chen Ener­gie­ver­sor­ger auch in der Ent­wick­lung zu einer smar­ten Stadt für sich. Sind sie in die­sen, ihren The­men digi­tal, intel­li­gent, ver­netzt und bür­ger­freund­lich unter­wegs, haben Ver­sor­ger ihre ding­lichs­ten Haus­auf­ga­ben für eine Smart City bereits auf dem Plan. Bei allem was bei die­sen The­men nicht aktiv ange­gan­gen wird, machen sie sich angreif­bar. Dabei ist die pri­vat­wirt­schaft­li­che Kon­kur­renz in allen Facet­ten der Ent­wick­lung groß. In Ber­lin – zum Bei­spiel – setzt die Woh­nungs­wirt­schaft mit soge­nann­ten „Quar­tiers­wer­ken“ die Quar­tier­s­ent­wick­lung um und ver­ti­ka­li­siert damit die eige­ne Wert­schöp­fungs­ket­te. Ganz ohne EVU. Volks­wa­gen baut und betreibt Lade­säu­len und ver­kauft den Strom dazu – nicht nur für die Elek­tro­fahr­zeu­ge, son­dern auch für das gesam­te Haus. Ganz ohne EVU. Lime und Tier betrei­ben das stark dis­ku­tier­te Modell Rol­ler-Sharing. Ganz ohne EVU. Wel­che die­ser Wert­schöp­fun­gen hät­ten die Ver­sor­ger lie­ber selbst gene­riert?

Eine sinn­vol­le Posi­tio­nie­rung bedarf auch Nega­tiv­ab­gren­zun­gen, also die Beant­wor­tung der Fra­ge „Wel­che Wert­schöp­fun­gen über­las­se ich lie­ber der Kon­kur­renz?“  – die Ver­sor­ger indi­vi­du­ell für sich fest­le­gen soll­ten. Ange­fan­gen bei LoRa­Wan-Netz­wer­ken, wel­che noch nah am Infra­struk­tur­be­trieb EVU auf­ge­baut wer­den kön­nen, soll­ten wei­te­re mög­li­che Smart City Ele­men­te zur Spra­che kom­men, dar­un­ter: Städ­teapps, Initia­ti­ven zur Stär­kung des loka­len Gewer­bes, Smar­ti­fi­zie­rung der Stadt­ver­wal­tung und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, etc. Hier gilt es für EVU, gemäß Ihren Stär­ken und der Kapa­zi­tät ihrer Orga­ni­sa­ti­on zu ent­schei­den, wofür Sie Ver­ant­wor­tung über­neh­men kön­nen. Dabei soll­ten Wirt­schaft­lich­keit und Ska­lier­bar­keit über die eige­ne Stadt hin­aus wich­ti­ger Ori­en­tie­rungs­punkt für Ihre Ent­schei­dun­gen sein, denn nur wenn die Gewin­ne lang­fris­tig gene­riert wer­den kön­nen, sind alle städ­ti­schen Akteu­re zufrie­den.

Win-Win – Wenn man es rich­tig anstellt.

Grund­sätz­lich kommt der Mega­trend für die Stadt­wer­ke wie geru­fen. Das The­ma sorgt für Inter­es­se beim Bür­ger, sei­tens der Städ­te besteht Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft und EVU kön­nen Ihre Stär­ken, ins­be­son­de­re ihr Infra­struk­tur Know-how aus­spie­len. Zudem lau­fen die Inno­va­tions- und Digi­ta­li­sie­rungs­be­mü­hun­gen der EVU der­zeit auf Hoch­tou­ren und Part­ner­fä­hig­keit ist in vie­len Berei­chen erprobt. Smart City ist dabei eine wei­te­re Chan­ce – durch hohe Visi­bi­li­tät – dem ver­staub­ten Image als städ­ti­sches Unter­neh­men zu ent­kom­men und fast schon wie im Spon­so­ring das Pro­fil des kom­pe­ten­ten Gestal­ters für die Stadt zu stär­ken. Wem es gelingt, über sicht­ba­re Ele­men­te und gute Sto­ries in der Stadt sein Image als moder­nes Unter­neh­men zu hin­ter­las­sen, bestä­tigt, was schon lan­ge gilt, „bei krea­ti­ven tech­ni­schen The­men in der Stadt kommt man um das Stadt­werk nicht her­um“ und stärkt so auch die Zusatz­ge­schäf­te für Pri­vat­haus­hal­te. Durch die Lang­fris­tig­keit inner­städ­ti­scher Smart City Ele­men­te hat dies auch eine lang­fris­ti­ge Wir­kung auf den Mar­ken­na­men und so wird die­ser nicht vor­ran­gig mit Tarif­sen­kun­g/-erhö­hung und Rech­nung asso­zi­iert. Gewin­ner der Smart City sind dann alle. Der Bür­ger, die Stadt und das EVU.  

Wie also Star­ten? Stra­te­gisch posi­tio­niert und mit Pilo­ten in einem Modell­quar­tier

Ob ange­trie­ben von den Bemü­hun­gen der Stadt, der Kon­kur­renz oder dem Taten­drang ihrer Mit­ar­bei­ter, soll­ten Ener­gie­ver­sor­ger dem Trend jetzt fol­gen, wol­len Sie die Ent­wick­lun­gen nicht ver­schla­fen. Dabei hilft ein prag­ma­ti­scher Blick auf kon­kre­te Bei­spie­le von Smart City Initia­ti­ven ande­rer Städ­te und Ver­sor­ger. Auf Basis des­sen, ihrer bestehen­den Unter­neh­mens­stra­te­gie sowie mög­li­cher Posi­tio­nie­rungs­al­ter­na­ti­ven kön­nen EVU sich trenn­scharf posi­tio­nie­ren. Haben sie ihre Go und No-Go The­men dann gefun­den, kön­nen sie fokus­siert, klar abge­grenzt zu ande­ren städ­ti­schen Unter­neh­men und mit Sicher­heit für ihre Mit­ar­beit die smar­ten The­men umset­zen.

Wel­che Geschäfts­mo­del­le dann funk­tio­nie­ren, zeigt die Pra­xis im Kon­takt mit dem Bür­ger. EVU, die sich nicht am Kun­de­n­ut­zen und des­sen Feed­back ori­en­tie­ren, muss­ten dies bereits schmerz­lich fest­stel­len. Wie in allen Pro­dukt­ent­wick­lun­gen lohnt sich also ein Test­feld. EVUs nut­zen für städ­ti­sche The­men vie­ler­orts ein Modell­quar­tier (EUREF in Ber­lin, 22 Blocks in Ams­ter­dam, Fran­k­lin in Mann­heim, etc.). Alles was EVU im Quar­tier erfolg­reich umset­zen kön­nen, bie­tet die Mög­lich­keit aus Erfah­rung in die Brei­te zu wach­sen. Dort fin­den ihre Kern­the­men statt und ihr Erfolg auf klei­ner Ebe­ne beugt dem Ver­lust des Kun­den­zu­gangs (ande­re Play­er bedie­nen Bewoh­ner mit Strom/Gas, ande­re Mes­stel­len­be­trei­ber etc.) vor. Ihre Erfol­ge auf dem visu­el­len Schau­platz wird der städ­ti­sche Flur­funk sicher schnell in die Stadt tra­gen.

Fabian Dawin

Fabian Dawin

Projektleiter
con|energy unternehmensberatung
unternehmensberatung@conenergy.com

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