War­um Sie jetzt die Prei­se an Ihren öffent­li­chen Lade­ein­hei­ten über­prü­fen soll­ten und die Kunst, die rich­ti­gen Prei­se zu iden­ti­fi­zie­ren.

Lesedauer: 3 Minuten

Seit 2016 hat sich die Anzahl der zuge­las­se­nen E‑Fahrzeuge in Deutsch­land ver­sechs­facht. Das Absen­ken der 1 Pro­zent­re­gel auf 0,25 Pro­zent für E‑Firmenwagen, die zuneh­men­de Modell­viel­falt der E‑Fahrzeuge, die Kos­ten­de­gres­si­on der Fahr­zeug­bat­te­ri­en und die künf­ti­gen Stei­ge­run­gen der CO2-Prei­se durch das Kli­ma­pa­ket las­sen erwar­ten, dass die E‑Mobilität jetzt noch stär­ker Fahrt auf­nimmt.

Was heißt das für Sie als Ener­gie­ver­sor­ger?
Für Sie bedeu­tet das, dass Lade­lö­sun­gen in naher Zukunft mas­siv nach­ge­fragt wer­den. Sie besit­zen das Know-how, den Kraft­stoff der neu­en Mobi­li­tät direkt an das Fahr­zeug zu lie­fern. Jetzt ist es wich­tig, die E‑Mobilität vom Mar­ke­ting­pro­dukt zu einem sub­stan­zi­el­len Umsatz­brin­ger zu trans­for­mie­ren, was ins­be­son­de­re für die öffent­li­che Lad­ein­fra­struk­tur eine Her­aus­for­de­rung dar­stellt. Denn selbst, wenn wie erwar­tet vor­ran­ging zu Hau­se oder am Arbeits­platz gela­den wird, gilt es, bereits errich­te­te und betrie­be­ne öffent­li­che Lad­ein­fra­struk­tur ren­ta­bel zu machen. Denn bei­des — Auf­bau und Betrieb (z. B. des Back-Ends) — ist kos­ten­in­ten­siv. Beson­ders teu­er wird es, wenn der Fahr­strom ver­schenkt wird oder die Prei­se für öffent­li­ches Laden nicht kos­ten­de­ckend kal­ku­liert sind.

Das Bei­spiel IONITY zeigt, dass die Preis­ge­stal­tung für öffent­li­che Lade­ta­ri­fe ein sen­si­bles The­ma ist: Der Bekannt­ga­be der Umstel­lung der Pau­scha­le auf kWh-schar­fe Abrech­nung[1] Anfang Janu­ar 2020 folg­ten zahl­rei­che Medi­en­be­rich­te. Man kann also eini­ges falsch machen: Inves­ti­tio­nen und lau­fen­de Kos­ten auf die vor­aus­sicht­lich ver­kauf­ten kWh-Fahr­strom umzu­le­gen oder sich an dem durch­schnitt­li­chen Markt­preis von aktu­ell rund 43 ct/kWh[2] zu ori­en­tie­ren ist aus unse­rer Sicht der fal­sche Weg. Es besteht die Gefahr der Fehl­kal­ku­la­ti­on, mit dem Ergeb­nis, auf kei­nen wirt­schaft­li­chen Pfad zu gelan­gen.

Was tun?

Im ers­ten Schritt gilt es, die Wett­be­werbs­si­tua­ti­on zu erfas­sen. Im bun­des­wei­ten Durch­schnitt ist die Wett­be­werbs­si­tua­ti­on mit sie­ben Anbie­tern pro Stadt über­schau­bar. In Ber­lin sind mit 26 Anbie­tern aller­dings deut­lich mehr – und deutsch­land­weit die meis­ten Anbie­ter zu fin­den.

In einem zwei­ten Schritt soll­ten Fra­gen zum Pri­cing beant­wor­tet wer­den, unter ande­rem:

  • Wel­che Ziel­set­zung ver­fol­gen Sie mit dem Pri­cing?
    Aus­schließ­lich die Wirt­schaft­lich­keit? Oder wei­te­re Zie­le, wie die Bin­dung Ihrer Haus­halts­strom­kun­den durch ein E‑Fahrzeug bzw. Lade­ta­rif?
  • Wel­che Zah­lungs­be­reit­schaft haben Ihre Kun­den­grup­pen?
    Auch E‑Mobilitätskunden haben unter­schied­li­che Zah­lungs­be­reit­schaf­ten. Die Preis­sen­si­bi­li­tät Ihrer Kun­den soll­ten Sie nut­zen, um Ihr Ergeb­nis zu stei­gern.
  • Mit wel­chen Tarif­kom­po­nen­ten soll­ten Sie Ihre Kun­den­grup­pen abrech­nen? Nicht jede Abrech­nungs­mo­da­li­tät ist sei­tens des Gesetz­ge­bers zuläs­sig. Zum Bei­spiel sind an einer Lade­ein­heit, die Kilo­watt­stun­den eich­rechts­kon­form erfasst, erlaubt: Flat­rate, kWh-Preis und ein KWh-Preis zuzüg­lich einer monat­li­chen Grund­ge­bühr und/oder eine Gebühr je Lade­vor­gang. Nicht erlaubt ist die Abrech­nung einer aus­schließ­li­chen Gebühr je Lade­vor­gang.
  • Soll der Kun­de incen­ti­viert wer­den, die Lade­ein­heit zeit­nah zu räu­men? Die Erfah­run­gen zei­gen, dass die Stell­flä­chen der Lade­ein­hei­ten oft über meh­re­re Stun­den als Park­platz miss­braucht wer­den. Über einen Zeit­ta­rif kann ein Anreiz gesetzt wer­den, die Lade­ein­heit zeit­nah zu räu­men.

Das ist nur ein Teil der Fra­gen, die sich beim Pri­cing für öffent­li­che Laden­ta­ri­fe stel­len. Die Ant­wor­ten hel­fen, die Balan­ce zwi­schen Kun­den­ak­zep­tanz und Refi­nan­zie­rung der Inves­ti­tio­nen zu fin­den.

Im drit­ten Schritt soll­ten Sie Ihre Kos­ten­struk­tur (Inves­ti­ti­ons­kos­ten, Back-End-Kos­ten, Strom­kos­ten etc.) in einem Busi­ness Case erfas­sen.

Alles in allem kön­nen Sie damit in drei Schrit­ten Ihre Ent­schei­dung fun­die­ren, wel­che Preis­struk­tur und Prei­se für die Tari­fie­rung Ihrer öffent­li­chen Lade­ein­hei­ten die rich­ti­gen sind, um ren­ta­bel zu agie­ren.

Lang­fris­tig erwar­ten wir, dass die Suche öffent­li­cher Lade­ein­hei­ten und die Abwick­lung des Lade­vor­gangs inklu­si­ve Abrech­nung direkt in den Navi­ga­ti­ons­dienst – bei­spiels­wei­se Goog­le Maps oder den Dienst der Fahr­zeug­her­stel­ler – inte­griert wird. In die­sem Fall rech­nen Sie als Betrei­ber der öffent­li­chen Lade­punk­te nicht mehr direkt mit dem Kun­den ab, son­dern der Navi­ga­ti­ons­dienst­leis­ter tut dies. Sie oder Ihr Roa­ming-Part­ner stim­men die Prei­se wie­der­um mit den Navi­ga­ti­ons­dienst­leis­tern ab. Sie füh­ren dann letzt­lich die Daten und Abrech­nungs­pro­zes­se des Lade­vor­gangs aus. Die­ses Vor­ge­hen stellt Sie dabei wie­der vor ande­re Her­aus­for­de­run­gen. Ste­hen Sie aktu­ell vor der Her­aus­for­de­rung, Prei­se für öffent­li­ches Laden zu kal­ku­lie­ren? Wir haben Stadt­wer­ke dabei erfolg­reich beglei­tet und freu­en uns auf eine gemein­sa­me Dis­kus­si­on mit Ihnen.


[1] Statt der bis­he­ri­gen Pau­scha­le von 8 Euro pro Lade­vor­gang berech­net IONITY ab dem 31.01.2020 79 Cent je gela­de­ner kWh.

[2] Kri­te­ri­en zur Berech­nung des Durch­schnitts­prei­ses: (1) Das Unter­neh­men­ge­hört zu den Top 30 der Char­ge Point Ope­ra­tor, nach Anzahl instal­lier­ter öffent­li­cher Lade­sta­tio­nen in Deutsch­land (2) und tritt gleich­zei­tig als E‑Mobility Pro­vi­der auf. (3) Der Tarif ist rein kWh-basiert und lässt sich online recher­chie­ren.

Tobias Henkel

Tobias Henkel

Senior-Berater
con|energy unternehmensberatung
henkel@conenergy.com

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